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Kinder

Kinder sind von Häuslicher Gewalt immer mit betroffen - Kindswohlgefährdung

Häufig sind Kinder bei Polizeieinsätzen wegen Häuslicher Gewalt anwesend. Im Kanton Zürich bezogen sich seit der Einführung des Gewaltschutzgesetzes über 50 % der erlassenen Schutzverfügungen auf Haushalte mit Kindern.

Die Mit-Betroffenheit von Kindern bei Häuslicher Gewalt wurde lange Zeit unterschätzt. Nicht nur die direkte Misshandlung, sondern auch das Miterleben von Gewalt in Beziehungen und deren Auswirkungen bei den Betroffenen (Verletzungen, Verzweiflung etc.) belastet die kindliche Entwicklung. Kinder fühlen sich angesichts der miterlebten Gewalt der Eltern häufig hilflos und ausgeliefert, oft aber auch verantwortlich. Meist sind sie auch auf sich alleine gestellt, da die Eltern zu sehr mit den eigenen Konflikten beschäftig sind und die Bedürfnisse ihrer Kindern nicht mehr genügend wahrnehmen.

Studien belegen, dass Kinder aus gewaltbehafteten Familien ein erhöhtes Risiko aufweisen, im Jugendalter oder in erwachsenen Beziehungen wiederum Gewalt zu erdulden oder selber auszuüben. Um dieser Gefahr der intergenerationellen Weitergabe von Gewaltmustern entgegenzuwirken, müssen Kinder bei Häuslicher Gewalt in ihrer eigenständigen Opferrolle wahrgenommen und durch spezialisierte Beratungsangebote in ihrer Fähigkeit unterstützt werden, die Erlebnisse ohne langfristigen negativen Auswirkungen bewältigen zu können.

Im Kanton Zürich wurde diesen Umständen Rechnung getragen, indem Fälle von Häuslicher Gewalt bei Haushalten mit Kindern nicht nur konsequent den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden gemeldet werden, sondern auch die zeitnahe Kinderansprache nach Ablauf der Pilotphase per 1. Januar 2014 im Rahmen der Opferhilfe verankert wurde. Die zeitnahe Kinderansprache wird von der Fachstelle OKey & KidsPunkt sowie der Beratungsstelle kokon (Fachbereich KidsCare) angeboten.

Zeitnahe Kinderansprache

Die Aufgabe von KidsPunkt und KidsCare ist es, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen früh nach einem Ereignis von Häuslicher Gewalt - mit oder ohne Polizeieinsatz - Unterstützung anzubieten. Im Fokus stehen Kinder, welche Gewalt von einem Elternteil gegenüber dem anderen miterlebten.
Ziel ist es, die Kinder in einer eigenen Beratung auf die miterlebte Gewalt anzusprechen und ihnen einen Raum anzubieten, in welchem sie über ihre Ängste und Sorgen sprechen können. Die allermeisten Mädchen und Knaben sind auf die Unterstützung des betreuenden Elternteils oder einer Fachperson angewiesen, um einen Ersttermin zu realisieren. Gemeinsam mit der Beraterin explorieren sie, was sie belastet und was ihnen hilft. KidsPunkt und KidsCare unterstützen Kinder zeitnah bei der ersten Verarbeitung der miterlebten Gewalt, bei der Wiederherstellung ihres persönlichen Gleichgewichtes und beim Finden von geeigneten weiterführenden Hilfsangeboten, wenn diese notwendig sind.
Es hat sich gezeigt, dass die Beratungsangebote von KidsPunkt und KidsCare die Arbeiten der KESB oder der kjz bzw. der Sozialen Dienste (SoD) ergänzen, aber nicht ersetzen. (Die KESB und die kjz/SoD haben nach einem Polizeieinsatz einen gesetzlichen Auftrag, die Gefährdung des Kindswohls einzuschätzen und allenfalls Massnahmen zu ergreifen.)
Die Resultate der Evaluation der Beratungstätigkeit durch das Marie-Meierhofer-Institut haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Projekte jetzt in Regelangebote überführt werden.