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Was ist Häusliche Gewalt?

Häusliche Gewalt liegt vor, wenn eine Person in einer bestehenden oder aufgelösten familiären oder partnerschaftlichen Beziehung in ihrer körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität verletzt oder gefährdet wird durch die Ausübung oder Androhung von Gewalt oder mehrmaliges Belästigen, Auflauern oder Nachstellen (§ 2 GSG).

Der Begriff „Häusliche Gewalt“ umfasst demnach nicht nur die Gewalt und das Stalking in einer bestehenden oder aufgelösten Partnerschaft, sondern auch im Familienverband (z.B. Kinder direkt oder indirekt durch das Miterleben, Onkel, Tante, Nichte, Neffe, unter Geschwistern oder Verschwägerten usw.). Ein gemeinsamer Haushalt oder ein Zusammenleben wird nicht vorausgesetzt.

Häusliche Gewalt präsentiert sich in den unterschiedlichsten Dynamiken. Sie kann sich beispielsweise im spontanen Konfliktverhalten zeigen oder aber in Form von langjährigen Gewaltbeziehungen auftreten, häufig geprägt von einem Machtungleichgewicht oder Abhängigkeitsverhältnis.

Von Häuslicher Gewalt zu unterscheiden sind gewöhnliche Beziehungskonflikte oder Familienstreitereien, welche sich vorwiegend im verbalen Bereich abspielen und bei denen zwischen den Betroffenen kein Machtgefälle besteht.

Gewaltformen

Häusliche Gewalt zeigt sich in verschiedensten Formen, wobei diese meist in unterschiedlichen Kombinationen gemeinsam auftreten.

Physische Gewalt

Physische oder auch körperliche Gewalt umfasst alle Formen der körperlichen Schädigung und Verletzung bis hin zur Tötung einer Person durch ihren/seine Partner/in mittels Körperkraft oder dem Einsatz von Waffen oder anderen Gegenständen.

  • mit Gegenständen bewerfen
  • an den Haaren reissen
  • stossen, packen, schütteln, kratzen, beissen, würgen
  • schlagen oder treten (Ohrfeige, Faustschlag, Fusstritt, Prügel)
  • Verletzungen zufügen mit Waffen oder anderen Gegenständen (Messer, Pistole, etc.)
     

Sexuelle Gewalt

Sexuelle Gewalt umfasst alle Formen von erzwungener sexueller Handlung und grenzverletzendem Verhalten mit sexuellem Bezug. Dabei handelt es sich um Machtausübung, Erniedrigung und Demütigung. Nicht die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse ist primäres Ziel der gewaltausübenden Person, sondern die absichtliche Verletzung der Integrität des Opfers. Bedürfnisse oder Stoppsignale von Opfern werden vollständig ignoriert. Bei sexueller Gewalt muss nicht immer körperlicher Gewalt angewendet werden. Es genügt bereits die Androhung von Gewalt oder ernstlicher Nachteile.

Sexuelle Gewalt ist strafbar – auch in der Ehe oder Partnerschaft!

  • ungewollte anzügliche und peinliche Bemerkungen mit sexuellem Bezug, sexistische Körpersprache oder Gesten und unerwünschte Berührungen
  • Zwang zur Teilnahme an oder Beobachtung von pornografischen Handlungen und Darstellungen
  • sexuelle Erniedrigung
  • sexuelle und körperliche Übergriffe bis hin zur Nötigung und Vergewaltigung
     

Psychische Gewalt

Psychische Gewalt umfasst alle Formen der emotionalen bzw. seelischen Schädigung und Verletzung einer Person, beispielsweise durch direkte verbale Drohungen, Beleidigungen oder einschüchterndes und kontrollierendes Verhalten.

  • kontinuierliches und systematisches Erniedrigen, Beschimpfen, Beleidigen oder Einschüchtern (z.B. Gesten, Gegenstände zerstören)
  • schwere Drohungen oder Nötigungen (Gewaltandrohungen, Todesdrohungen, erweiterte Suiziddrohungen, Kindesentführung, etc.)
  • übermässiges Kontrollieren, Auflauern, Verfolgen, Beschatten, Belästigen (Stalking)
  • Sozialkontakte verbieten, einsperren, von der Aussenwelt isolieren (Soziale Gewalt)
  • Entzug von Einkommen, Geld und Eigentum (Ökonomische Gewalt)
  • Verhinderung von Berufstätigkeit oder Ausbildung (Ökonomische Gewalt)
  • Zwang, Darlehensverträge oder Bürgschaften zu unterzeichnen (Ökonomische Gewalt)
  • Zwangsheirat