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Empfehlungen für Fachleute

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Empfehlungen im Umgang mit Gewaltopfern

  • Legen Sie in Ihrer Praxis Informationsmaterial über Hilfs- und Unterstützungsangebote und Notfallkarten auf.
  • Sorgen Sie für eine angenehme und sichere Gesprächsatmosphäre. Sprechen Sie mit dem Opfer nur über die Gewalteinwirkungen, wenn keine Angehörigen oder Begleitpersonen dabei sind. Ziehen Sie bei Sprachschwierigkeiten eine/n Übersetzer/in bei.
  • Fragen Sie behutsam nach und zeigen Sie Geduld und Verständnis, auch wenn die Betroffenen nicht über das Erlebte sprechen wollen. Fällen Sie keine Urteile, erheben Sie keine Vorwürfe und geben Sie auch keine vorschnellen Ratschläge.
  • Ermutigen Sie die gewaltbetroffene Person, Schritte gegen die Gewalt zu unternehmen. Vermitteln Sie dem Opfer das Gefühl, dass Sie es bei den Schritten unterstützen, die es selbst machen will. Drängen Sie es jedoch nicht zu schnellem Handeln oder vermeintlich nahe liegenden Lösungen. Unternehmen Sie auch nichts ohne Wissen oder Zustimmung der gewaltbetroffenen Person. Gerade nach einer Gewalttat, ist es besonders wichtig, Wünsche und Entscheidungen der Betroffenen zu akzeptieren und ihnen somit wieder Kontrolle über ihr Handeln zu geben.
  • Informieren Sie das Opfer über weitere Hilfsangebote, geben Sie Informationsmaterial dazu ab oder vermitteln Sie das Opfer direkt an eine Beratungsstelle.
  • Führen Sie die notwendigen Untersuchungen ruhig und sensibel durch. Eine medizinische Untersuchung kann das erlebte Trauma verstärken, insbesondere bei sexuellen Übergriffen. Informieren Sie daher das Opfer über die einzelnen Untersuchungsschritte und ziehen Sie es in den Ablauf der Untersuchung ein.
  • Dokumentieren Sie die Verletzungen genau. Ärztliche Befunde sind oft die einzigen Beweise, auf die sich Gewaltbetroffene stützen können, um ihre Aussagen zu belegen. Informieren Sie die Opfer darüber, wie und wo sie diese Unterlagen einfordern können.
  • Informieren Sie das Opfer über die Schweigepflicht und die Möglichkeit, die behandelnde Person davon entbinden zu lassen.
  • Informieren Sie - ungeachtet der Schweigepflicht - die zuständigen Behörden bei akuter Gefahr von Leib und Leben oder der sexuellen Integrität des Opfers (vgl. § 15 Abs. 4 GesG).
  • Zu Ihrer eigenen Entlastung und zur Orientierung, können Sie sich in einer Beratungsstelle auch für sich selber Informationen oder Tipps holen.

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